Was Shopware-Betreiber technisch selbst prüfen und verbessern können, um in der KI-Suche sichtbar zu werden, bei ChatGPT, Perplexity und in Googles KI-Antworten, lässt sich auf sechs Stellschrauben herunterbrechen. Die gehen wir hier Schritt für Schritt durch, inklusive der Grenze dessen, was die eigene Website allein leisten kann.
Warum Google-Rankings und KI-Empfehlung auseinanderfallen
Eine Suchmaschine bewertet ein Bündel aus Relevanzsignalen: passende Begriffe, technische Sauberkeit, Backlinks, Nutzerverhalten. Ein Sprachmodell dagegen muss eine Antwort formulieren und darin eine Handvoll Marken nennen, oder keine. Es reicht dafür nicht, dass eine Seite gut rankt. Es muss aus den Inhalten klar hervorgehen, wofür die Marke steht, in welche Kategorie sie gehört und was sie unterscheidet.
Für Shopware-Shops kommt eine zusätzliche Schicht hinzu: die technische Struktur, mit der Inhalte für Maschinen lesbar gemacht werden. Ein Shopware-Standardtheme liefert eine solide Grundlage für die klassische Suchmaschinenoptimierung, ist aber nicht automatisch auf die Anforderungen von KI-Systemen zugeschnitten. Wie sich dieser Kanal grundsätzlich von klassischem SEO unterscheidet, erklären wir ausführlich im Beitrag warum SEO dafür nicht mehr reicht. Hier geht es um die konkrete technische Arbeit, die Shopware-Betreiber selbst leisten können.
Ein Denkbeispiel: bei Google vorn, in der KI-Suche unsichtbar
Nehmen wir einen Shopware-Shop für Büromöbel aus dem deutschsprachigen Raum. Der Inhaber ist zufrieden: Seine Hauptkategorie „Schreibtischstühle“ rankt bei Google auf Seite eins, der organische Traffic ist stabil. Er stellt ChatGPT die Frage, die ein Kunde stellen würde, der seine Marke noch nicht kennt: „Welche deutschen Online-Shops für ergonomische Bürostühle kannst du empfehlen?“ Genannt werden drei Wettbewerber. Seine eigene Marke fehlt.
Ein Blick in den Quellcode seiner Website zeigt einen möglichen Grund: Die Kategorieseite hat kaum Beschreibungstext, nur eine Bildergalerie und Filter. Schema.org Organization ist zwar vorhanden, aber ohne Verweise auf die eigenen Unternehmensprofile. Eine llms.txt gibt es nicht. Für die Suchmaschine reicht die technische Basis zusammen mit den vorhandenen Backlinks, um weiterhin gut zu ranken. Für ein Sprachmodell, das begründen soll, warum ausgerechnet dieser Shop empfehlenswert ist, findet sich dagegen wenig Konkretes.
Wie ein KI-System überhaupt an Informationen über Ihren Shop kommt
Ein System wie ChatGPT oder Perplexity stützt sich im Kern auf zwei Quellen. Die erste ist trainiertes Wissen: Texte, die das Modell während des Trainings gesehen hat: Presseartikel, Vergleichsseiten, Foreneinträge und eben auch die eigene Website, sofern sie öffentlich zugänglich und für eine Maschine eindeutig lesbar ist. Die zweite ist der gezielte Blick auf aktuelle Seiten während einer Anfrage: das sogenannte Retrieval, das vor allem Perplexity und ChatGPT mit Websuche aktiv nutzen.
In beiden Fällen gilt dieselbe Regel: Was für eine Maschine nicht klar strukturiert und zugänglich ist, kann sie auch nicht verwerten, unabhängig davon, wie gut es für ein menschliches Auge aussieht. Genau hier setzen die folgenden Stellschrauben an. Für einen Shopware-Shop bilden sie den praktischen Kern dessen, was als Generative Engine Optimization (GEO) bezeichnet wird, was der Begriff genau umfasst, ordnet der Beitrag Was ist GEO und AEO? ein. Die Stellschrauben ersetzen keine Markenpositionierung, aber ohne sie hat auch die beste Positionierung keine technische Eintrittskarte.
Schema.org: strukturierte Fakten statt Fließtext
Schema.org ist ein Vokabular, mit dem eine Website Fakten über sich selbst maschinenlesbar auszeichnet: als sogenanntes JSON-LD, unsichtbar im Quellcode, aber direkt auswertbar für Suchmaschinen und KI-Systeme. Für einen Shop sind zwei Entitäten zentral:
Organization beschreibt das Unternehmen selbst: Name, Logo, Kontaktmöglichkeit, Verweise auf offizielle Profile (das Feld sameAs) wie LinkedIn oder das Impressum-Pendant. Product beschreibt die einzelne Produktseite: Name, Beschreibung, Marke, Preis, Verfügbarkeit und, sofern vorhanden, die Bewertungszusammenfassung als AggregateRating.
Ein Shopware-Standardtheme liefert für beide Entitäten eine Basis mit, die in der Praxis aber häufig unvollständig bleibt. Typische Lücken: sameAs-Verweise auf die eigenen Unternehmensprofile fehlen, contactPoint ist nicht gesetzt, das Logo steht nur als reine URL statt als vollständiges ImageObject, und AggregateRating fehlt selbst dann, wenn auf der Produktseite sichtbare Kundenbewertungen stehen.
Sie prüfen das selbst in wenigen Minuten: Öffnen Sie die Seitenquelle Ihrer Startseite und einer Produktseite (im Browser meist über Rechtsklick, „Seitenquelltext anzeigen“) und suchen Sie nach application/ld+json. Alternativ liefert ein kostenloses Testwerkzeug wie Googles Rich-Results-Test eine strukturierte Auswertung, welche Felder erkannt werden und welche fehlen.
llms.txt: ein Wegweiser speziell für KI-Crawler
Neben robots.txt, das seit Jahrzehnten Suchmaschinen-Crawlern sagt, was sie lesen dürfen, gibt es einen deutlich jüngeren Vorschlag: llms.txt. Die Datei liegt im Wurzelverzeichnis der Domain und listet in einfachem Markdown, welche Seiten für ein KI-System besonders relevant sind, eine kuratierte Inhaltsübersicht, statt dass die Maschine sich die Struktur selbst erschließen muss.
Ein einfaches Beispiel für einen Shopware-Shop könnte so aussehen:
# Musterhaus Outdoor
> Online-Shop für Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung, Sitz in Deutschland.
## Sortiment
- /kategorie/jacken: Wander- und Trekkingjacken
- /kategorie/rucksaecke: Tagesrucksäcke und Trekkingrucksäcke
## Unternehmen
- /ueber-uns: Unternehmensgeschichte und Standort
- /presse: Presseerwähnungen
Die Spezifikation ist noch kein formal verabschiedeter Standard, wird aber bereits von einer wachsenden Zahl an Marken eingesetzt und experimentell von mehreren KI-Crawlern berücksichtigt. Shopware liefert eine solche Datei nicht automatisch mit, sie muss manuell als statische Datei im Wurzelverzeichnis abgelegt werden, etwa über den Hosting-Zugang oder die Verwaltung eigener Dateien im Shopware-Backend.
robots.txt: KI-Crawler brauchen eine explizite Erlaubnis
Die meisten Shopware-Shops haben ein funktionierendes robots.txt für klassische Suchmaschinen-Crawler. Was dabei häufig fehlt: eine explizite Erlaubnis für die KI-spezifischen Crawler, die inzwischen mit eigenem User-Agent unterwegs sind: etwa GPTBot (OpenAI), PerplexityBot (Perplexity), ClaudeBot (Anthropic) oder Google-Extended (Googles KI-Training, getrennt vom regulären Googlebot).
Ist ein Crawler nicht explizit erlaubt, herrscht Unklarheit, und manche Systeme werten das vorsichtshalber als Ausschluss. Die Lösung ist unaufwendig: ein Block mit expliziten Allow-Zeilen für die relevanten Crawler am Ende der robots.txt, in wenigen Minuten ergänzt. Wichtig zu wissen: Das öffnet nichts, was nicht ohnehin öffentlich einsehbar ist. Es macht lediglich unmissverständlich, dass gelesen werden darf.
Kategorietexte, die eine KI tatsächlich zitieren kann
Der technisch unauffälligste, aber inhaltlich wichtigste Punkt betrifft die Kategorietexte selbst. Im Shopware-Standard ist das Beschreibungsfeld einer Kategorie vorhanden, wird in der Praxis aber oft nur mit wenigen werblichen Sätzen gefüllt oder ganz leergelassen. Für eine Suchmaschine reicht das häufig noch, weil Title-Tag und interne Verlinkung ebenfalls zählen. Für ein Sprachmodell, das eine konkrete Aussage über die besten Anbieter einer Kategorie formulieren soll, ist ein leerer oder austauschbarer Text schlicht nichts, woraus sich etwas Verwertbares ziehen lässt.
Ein Kategorietext, der stattdessen konkrete, überprüfbare Aussagen enthält, Materialien, Einsatzzweck, Herkunft, Unterschiede zwischen den geführten Marken, liefert einem Sprachmodell etwas, das es zusammenfassen und weitergeben kann. Der Unterschied liegt nicht in der Länge allein, sondern in der Konkretheit.
Wo Sie das in Shopware konkret einstellen
Die sechs Punkte oben sind die Logik. Wo sie in einer Shopware-Installation liegen, ist die zweite Frage, und der Grund, warum plattformneutrale Ratgeber hier meist aufhören:
- Kategorietexte: Administration, Kataloge, Kategorien, Feld „Beschreibung“. Eine Falle, die häufig Zeit kostet: Sobald einer Kategorie ein Erlebniswelten-Layout zugewiesen ist, wird der Text aus dem Layout ausgespielt und das Beschreibungsfeld bleibt unsichtbar. Prüfen Sie im Zweifel die Seitenquelle der Live-Kategorie, nicht das Backend-Feld.
- Schema.org: das Standardtheme liefert eine Basis für Produkt- und Angebotsdaten mit. Ergänzungen wie
sameAs,contactPointoder fehlende Bewertungsfelder gehören in ein eigenes Theme, das die betreffenden Twig-Blöcke überschreibt, oder in ein Plugin. Direkt im Backend lässt sich das nicht nachziehen. - llms.txt: eine reine Textdatei, die im
public-Verzeichnis der Installation liegt und danach unterihre-domain.de/llms.txterreichbar ist. Sie brauchen dafür kein Plugin, aber Zugriff auf das Deployment. - robots.txt: liegt je nach Setup ebenfalls als Datei im
public-Verzeichnis. Wichtig bei Updates und Deployments: prüfen, ob eigene Allow-Zeilen für KI-Crawler erhalten geblieben sind, sonst verschwinden sie unbemerkt. - Crawler-Zugriffe: die Server-Logs erreichen Sie über Ihr Hosting, nicht über die Shopware-Administration. Ein Blick auf
GPTBotoderPerplexityBotin den Logs der letzten Wochen zeigt, ob überhaupt gelesen wird.
Die Version spielt für die Logik keine Rolle, für die Wege im Backend schon: Die Beschreibungen hier beziehen sich auf Shopware 6.