Für Marken ist das mehr als eine neue Darstellung: Auch wer in den klassischen Treffern weit oben steht, bekommt bei einer Suche mit KI-Übersicht deutlich weniger Klicks, und zitiert werden nur wenige Quellen. Dieser Beitrag ordnet ein, was beide Formate sind, seit wann sie in Deutschland laufen, was sie für Klicks bedeuten, wie eine Seite darin zitiert wird und wie Sie das für Ihre eigenen Suchbegriffe nachvollziehen.
KI-Übersicht und KI-Modus: zwei Formate, die man leicht verwechselt
KI-Übersicht ist der deutsche Name für denselben Baustein, den Google international als AI Overview bezeichnet: ein KI-generierter Absatz direkt über den gewohnten zehn Treffern, mit Verweisen auf einzelne Seiten daneben. Der KI-Modus, englisch AI Mode, ist kein Absatz, sondern ein eigener Bereich neben der klassischen Suche. Wer ihn öffnet, bekommt eine ausführlichere Antwort und kann direkt weiterfragen, statt eine neue Suche zu starten.
Leicht zu verwechseln mit KI-Übersicht ist KI-Sichtbarkeit, der Begriff für die Frage, ob und wie ChatGPT, Perplexity, Claude oder Gemini eine Marke in ihren eigenen Antworten nennen. Das ist ein eigenes Feld, mit Kauffragen statt Suchbegriffen und ohne Bezug zu einer Google-Trefferliste. Was diesen Unterschied für die Wettbewerbsanalyse bedeutet, ordnet die Seite zur KI-Sichtbarkeit ein. Dieser Beitrag bleibt bei dem, was innerhalb der Google-Suche passiert.
| KI-Übersicht (AI Overview) | KI-Modus (AI Mode) | |
|---|---|---|
| Darstellung | Absatz über den klassischen Treffern | eigener Suchbereich mit mehrstufigem Dialog |
| Start in Deutschland | 26. März 2025 | 8. Oktober 2025 |
| Ausgelöst durch | einzelne Suchanfrage, wenn Google sie als hilfreichste Antwort einschätzt | bewusster Wechsel in den KI-Modus |
| Zitierte Quellen | wenige Links direkt neben dem Absatz | mehrere Quellen über den Verlauf eines Dialogs |
| Rivly misst | vorhanden und zitiert, je Suchbegriff | noch nicht als eigenes Format |
Seit wann beide Formate in Deutschland laufen
Google hat die KI-Übersicht am 26. März 2025 offiziell für Deutschland, Österreich und die Schweiz freigeschaltet, zusammen mit Belgien, Irland, Italien, Polen, Portugal und Spanien. Im eigenen Blog schreibt das Unternehmen dazu, angemeldete Nutzerinnen und Nutzer ab 18 Jahren bekämen die KI-Übersicht ab sofort angezeigt, „wenn unsere Systeme feststellen, dass es die hilfreichste Antwort ist“ (Google-Blog, 26. März 2025). Vorausgegangen war der Start in den USA im Mai 2024 und die weltweite Ausweitung ab Oktober 2024.
Der KI-Modus folgte am 8. Oktober 2025. An diesem Tag begann laut Googles deutschem Blog die Einführung in 36 neuen Sprachen und mehr als 40 neuen Ländern und Regionen, ausdrücklich auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Google-Blog, 8. Oktober 2025). In der Schweiz steht er auf Deutsch, Französisch und Italienisch zur Verfügung.
Wann Google eine KI-Übersicht zeigt und welche Seiten sie zitiert
Ob zu einer Suchanfrage eine KI-Übersicht erscheint, entscheidet Google Anfrage für Anfrage, nicht Kategorie für Kategorie. Wie oft das in einer bestimmten Branche der Fall ist, unterscheidet sich stark. Für die eigene Kategorie von Rivly zeigt das die Messung weiter unten.
Für die zitierten Seiten gilt laut Google Search Central (Stand 10. Dezember 2025) eine einzige technische Vorbedingung: Eine Seite muss indexiert sein und dafür geeignet, mit einem Snippet in der Google-Suche angezeigt zu werden, also dieselben technischen Anforderungen erfüllen wie für die klassische Suche. Eine eigene Auszeichnung für KI-Übersicht oder KI-Modus gibt es laut Google nicht: Es sind keine neuen maschinenlesbaren Dateien, keine eigenen KI-Textdateien und keine zusätzliche structured-data-Auszeichnung von schema.org nötig. Die Auswahl der Quellen läuft über denselben Index und dieselben Qualitätssignale wie die klassische Suche, nicht über eine separate KI-Liste.
Was das für Klicks bedeutet
Google weist in der eigenen Dokumentation darauf hin, dass Klicks aus Suchergebnissen mit KI-Übersicht nach eigener Einschätzung hochwertiger seien, gemessen daran, wie lange Nutzerinnen und Nutzer danach auf der Seite bleiben (Google Search Central, Stand 10. Dezember 2025). Unabhängige Messungen zur reinen Klickrate zeichnen ein anderes Bild.
Das Pew Research Center hat im März 2025 in den USA 68.879 Google-Suchen von 900 erwachsenen Teilnehmenden ausgewertet, 12.593 davon mit KI-Zusammenfassung. Ergebnis, veröffentlicht am 22. Juli 2025: Bei einer Suche mit KI-Zusammenfassung klickten die Teilnehmenden in 8 % der Fälle auf einen klassischen Treffer, ohne KI-Zusammenfassung in 15 % der Fälle, fast doppelt so oft. Auf einen der Links innerhalb der Zusammenfassung selbst klickten sie nur in 1 % der Fälle.
Für den deutschen Markt hat Sistrix im Februar 2026 eigene Klickraten-Daten veröffentlicht, zuletzt aktualisiert am 2. April 2026: Die Klickrate auf Position 1 fällt bei einer Suche mit KI-Übersicht von 27 % auf 11 %, ein Rückgang von rund 60 %. Über alle Positionen gerechnet sinkt der Anteil der Suchen, die überhaupt zu einem Klick auf ein organisches Ergebnis führen, von 57 % auf 33 %. Sistrix rechnet das auf rund 265 Millionen entgangene organische Klicks pro Monat in Deutschland hoch, mit großen Unterschieden nach Themenbereich: Gesundheits- und Elternratgeber-Seiten verlieren über 24 %, Rezeptseiten nur rund 1 %, Nachrichtenseiten 7,37 %, große Shopping-Seiten wie Amazon rund 1,73 %.
Für eine einzelne Marke heißt das: Wie stark eine KI-Übersicht Klicks kostet, hängt sichtbar von der Suchabsicht ab. Rein informationelle, allgemeine Fragen verlieren mehr als enge, transaktionale Suchen mit klarer Kaufabsicht.
Wie eine Marke in der KI-Übersicht zitiert wird
Eine Garantie auf eine Nennung gibt es nicht, bei keinem Anbieter und bei keiner Methode. Was sich aus Googles eigener Dokumentation und aus der Funktionsweise des Formats ableiten lässt, sind Bedingungen, die eine Nennung wahrscheinlicher machen, keine Zusicherung.
Erste Bedingung: Die Seite muss überhaupt in den klassischen Suchergebnissen mit einem Snippet erscheinen können, siehe oben. Eine Seite, die dort schon fehlt, kann in der KI-Übersicht nicht zitiert werden, weil beide Formate denselben Index nutzen.
Zweite Bedingung: Weil eine KI-Übersicht mehrere Quellen zu einer Antwort zusammenfasst, zitiert Google in der Praxis häufig Seiten, die eine Frage klar und faktenbasiert beantworten, in einer Struktur, die sich in einzelne Aussagen zerlegen lässt, etwa Frage-Antwort-Absätze oder Listen. Das deckt sich mit Googles allgemeiner Empfehlung, hilfreiche, nutzerorientierte Inhalte zu erstellen, nicht mit einem separaten KI-Rezept. Sistrix kommt in der eigenen Analyse zu einer ähnlichen Beobachtung: Inhalte, die thematisch klar abgegrenzt und in einzelne, für sich verständliche Abschnitte gegliedert sind, lassen sich für ein KI-System leichter einzeln zitieren als ein langer, unstrukturierter Fließtext.
Dritte Bedingung, und in der Praxis oft die entscheidende: Eine KI-Übersicht zitiert selten nur die eine Seite einer Marke. Häufiger zitiert sie unabhängige Vergleichsseiten, Fachmedien oder Verzeichnisse, die eine Marke ohnehin erwähnen. Dazu passt die eigene Messung von Rivly weiter unten: Ein einzelnes Bewertungs- und Fachportal steht dort bei acht Suchbegriffen an erster Stelle der klassischen Treffer. Wer in solchen Quellen präsent ist, erhöht die Chance, über sie mitzitiert zu werden, auch wenn die eigene Seite selbst nicht zitiert wird.